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"Das Leben ist keine geschützte Blase"

"Das Leben ist keine geschützte Blase"

Erschöpfung, Depressionen, Angststörungen – psychische Erkrankungen zählen zu den häufigsten Gründen für Fehltage im Job. Und manchmal geht nichts mehr. Wer das erlebt, findet Unterstützung im BeBiz Saar. Dieses feierte nun sein 5jähriges Bestehen.

Mit einem Festakt hat das BeBiz Saar am 30. Oktober sein fünfjähriges Bestehen gefeiert. Mitarbeitende, Teilnehmende und Gäste aus Politik und kooperierenden Einrichtungen nutzten die Gelegenheit, mehr über die Einrichtung zu erfahren.

In ihren Grußworten würdigten die BeBiz-Geschäftsführer Rolf Lay und Oliver Heydt sowie Josephine Ortleb, Abgeordnete der SPD im Deutschen Bundestag und direktgewählte Abgeordnete des Bundestages für den Wahlkreis Saarbrücken, die Entwicklung des BeBiz seit seiner Entstehung. Die Einrichtung ist Anlaufstelle für Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung aktuell nicht in der Lage sind, zur Arbeit zu gehen. Ein interdisziplinär aufgestelltes Team berät und unterstützt die Betroffenen durch unterschiedliche Maßnahmen auf dem Weg zurück in die Arbeitswelt. Ziel ist es, gemeinsam berufliche und persönliche Perspektiven zu erarbeiten und die Teilnehmenden auf ihrem individuellen Weg zu begleiten – passgenau und mit Herz.

„Erschöpfung, Depressionen – das kann jeden treffen“, bestätigt Ortleb. Sie ist von der Idee des BeBiz begeistert und bezeichnet die Einrichtung als einen „besonderen Ort“, der enorm wichtig sei, da er Raum biete, über eine psychische Erkrankung zu reden. „Wir alle wollen doch gesund und mental fit durch die Arbeitswelt kommen“, so die saarländische Politikerin.

Dass es im Leben nicht immer rund läuft, offenbarte Cecile. Vor allen Gästen legte die junge Frau ihren holprigen Lebensweg frei. Sie erzählte von Angstzuständen, Wahnvorstellungen und Verzweiflung. "Ich hatte das Gefühl, verfolgt zu werden. Das Gehirn war komplett aus dem Gleichgewicht." Im BeBiz hat Cecile gelernt, über ihre Krankheit zu sprechen. Man gab ihr Zeit und Mut, zu schauen, was zu ihr passt und was sie motoviert. In einem hausinternen Kiosk des BeBiz, übernahm Cecile erste Aufgaben, etwa das Aussuchen und Ausstellen von Kleidung, den Verkauf, die Betreuung. "Hier habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen." Das Gute an dieser Arbeit: "Ich hatte keinen Druck, sondern Zeit." Cecile merkte, dass sie sicherer wurde, was ihr nach und nach die Angst nahm, Fehler zu machen. Was ihr vor allem Stärke gab: "Im BeBiz wurde ich nicht nur betreut, sondern ich wurde gesehen." Derzeit macht Cecile eine Ausbildung im Einzelhandel.

In einer anschließenden Podiumsdiskussion ging es um Chancen und Herausforderungen, welche die berufliche Integration von Menschen mit psychischen Erkrankungen mit sich bringen. Hier tauschten sich Dr. Astrid Hübner, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutin und niedergelassene ambulante Psychotherapeutin, Tobias Raab, Saarbrücker Dezernent für Wirtschaft, Soziales und Digitalisierung, Lisa Marx, Leiterin des BeBiz Saar und Oliver Heydt, Geschäftsführer des BeBiz Saar unter der Moderation von Judith Hens, BBT-Gruppe, aus. Einig waren sich alle, dass das Thema einer besonderen Sensibilisierung bedarf – sowohl in der Gesellschaft als auch in Unternehmen. Das System mache es oft schwierig, den Weg in die Arbeitswelt zurückzufinden, bemerkte Hübner. Raab bestätigte, dass sich in Unternehmen der Fokus oft nur auf das Betriebswirtschaftliche richte. Der Saarbrücker Dezernent bot hier Unterstützung an, das Thema aufzunehmen und in Unternehmen den Blick dafür zu schärfen.

Das Jubiläum hinterließ intensive und emotionale Eindrücke – und den Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit für solche erfolgreichen Projekte, die Menschen auf dem Weg zurück ins Leben begleiten.

Foto oben: Josephine Ortleb zu Gast im BeBiz Saar






 
 

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